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Wie tief  die alte Konventionen parlamentarischer Monarchie greifen kann man HIER sehen. Sehr belustigend:

 

 

schlampenkultur

Man weiß nicht was los ist. Sie tragen alle kurze Röcke bis zum Arsch und das im tiefsten Winter. Sehen einfach lächerlich aus, wie sie da versuchen in ihren HighHeels auf dem Weg zu stolzieren. Die Engländerin hat keinen Geschmack und es geht einem unheimlich auf die NERVEN. Denn es ist kein Scherz und auch nicht übertrieben: Es scheint hier eine tief verwurzelte Dynamik einer Schlampenkultur zu geben. Nicht nur die Frauen. Dieses dauerhafte Schreien und kindische Benehmen in diesem Tower und auf dem Campus. Die Lautstärke dröhnt durch die dünnen Winde und von der Straße. Immer wieder schreien. YEAH! YEAH! YEAH! WOOHOOOO! Man malt kleine Pimmel in der Gemeinschaftsküche und fühlt sich stark und wenn man getrunken hat dann kann alles kommen. Null Anspruch auch im Club. Die Musik ist für den Arsch. Schlechteste Popmusik. Kein Anspruch. YEAH! YEAH! WOHOOOO!!!!!!!!!!!!!!!!!

wind

Die Winde peitschen hier wie wütend. Ein Aufbäumen gegen den kommenden Winter. Von der Nordsee über das flache Land nehmen sie Fahrt auf und hauen in die Schneise der Stundententürme.  Man kann sich nicht halten und sowieso ein Fluch auf dieser Erde. Man möchte abheben und fliegen mit ihnen über die weite Welt bis jenem Punkt an dem kein Urteil zu fällen ist.  Stattdessen bleibt man aber stehen und  geht weiter; nach vorne gebeugt. Man isst Fish and Ships am Sonntag in Clacton on the Sea. Schaut aufs Meer. Ja, ein sonniger Tag in der salzigen Brause am Strand und Drachensteigen. WUNDERSCHÖN? Ein Lobster, Nemo und ein gigantischer Rochen im Dämmerlicht um 16.00 wie Rückbleibsel vergangener Magie deuten auf Meerromantik und so weiter.  Silberweiß die Farben und schmecken kann man sie auch. Nur schlucken kann man nicht. Genauso wie die Französinnen hier auf dem Campus. Nett anzuschauen, nur wenig greifbar wie der Wind, der hier peitscht.

Lupenreine Parlamentskultur? Dass das britisches Parlament nicht soviel zu sagen hat, ist bereits angeklungen. Indes bietet es reichlich an Unterhaltungskultur und Debatten von hoher rhetorischer Qualität. Wer sich überzeugen will, der kann sich hier die Question Time vom 11. November anschauen. Am Anfang wird nach convention die lange, traurige Liste gefallener Soldaten vorgelesen. Man mag daher geneigt sein vorzuspulen. Es lohnt sich. Gordon Brown wird ganz schön in die Mangel genommen… HIER

 

 

 

 

„Remember, remember the fifth of November

Gunpowder, treason and plot.

I see no reason why the gunpowder treason

Should ever be forgot.“

Am 5. November werden überall in England Raketen in die Luft geschossen. Man feiert den Jahrestag des gescheiterten Versuchs von Guy Fawkes das Parlament in die Luft zu sprengen und den damaligen König James I zu töten.  Während aber die Puppen des armen Guy Fawkes verbrannt werden, ist das Vertrauen in das Parlament dahin.  Die Spesenskandale reißen einen tiefen Graben in die britische Politikkultur.  Überwachungskameras an jeder Ecke, der TerrorAct 2000 versucht nervös die Balance zu halten zwischen Terrorismus und Grundrechte.  Grundrechte die erst duch die Europäische Menschenrechtskonvention in das innerstaatliche Recht kodifiziert wurden. Fotos von Mördern, Dieben, Sexualtätern werden ohne Skrupel in den Zeitungen veröffentlicht. Mit vollen Namen.  Datenschutz ein Fremdwort, denn die Öffentlichkeit will Gerechtigkeit und Gelüste bedienen. Sozialarbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst, die mit Kindern zu tun haben, müssen – jeder Unschuldsvermutung zum Trotz – Beweise vorbringen, dass sie nicht pädophil sind.  Verkäufer von Alkohol sind gezwungen jeden der jünger als 25 aussieht nach einem Ausweis fragen. Im Mutterland des Liberalismus ist man unsicher geworden.

Rufe werden laut nach einer kodifizierten Verfassung, nach einem Schutzwall gegen die absolute Macht der Regierung. Die Doktrin der Parlamentssouveränität verdrängt jede Idee von Gewaltenteilung. Die lange, beindruckende Geschichte der britischen Demokratie und Parlamentskultur zeigt seine Nachteile.  Schwerfällig heißt die Devise ” If it ain´t broke, don´t fix it. ” Die Angst vor einem zentralistischen Europa gibt der Debatte Zündstoff. Eine Kommentatorin in der London Times will gar einen Katalysator erkennen. In der Tat während das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe rückwärtsgewand seine Macht behaupten kann, können die englischen Richter nur tatenlos zuschauen wie europäisches Recht in das Land spült. Noch heute sagt man hier scherzhaft, dass Guy Fawkes der einzige war, der je mit ehrlichen Absichten in das Parlament gegangen ist. Vielleicht findet hier ja bald erneut jemand, der an der Basis von Westminster Abbey mit Feuer spielen will und seine Zündschnur legt.

Wivenhoe eine kleiner Ort, am Fluss Colne gelegen. Ein kleiner Hafen, kleine Häuser und natürlich fährt man auf der linken Straßenseite. In einem Cafe darf man verträumt Tee trinken. Doppelt schmeckt man die Wärme, nachdem draußen der Nieselregen unter jede Haut zieht. Colchester hingegen eine Kleinstadt. Rund 120000 Einwohner. Der Name deutet angeblich auf das berühmte Camelot der Artus Sage hin. In jedem Fall findet man hier eine normmanische Burg, die auf Römerruinen gebaut ist. Dazwischen grüne Wiesen und der Campus.

Das Gelände hinter der Bibliothek auf der Westseite des Campus zieht sich noch einen Kilometer bis zur Straße, welche die beiden Orte miteinander verbindet. Zwei Teiche, Sträucher, Weiden, Holzstumpfe. Einzelne abgestorbene Bäume stehen wie Geister da. Durch das hohe Gras führen gemähte Pfade, die teilweise mit Kiesel bedeckt sind.

Es ist Herbst. Herbst. HERBST. Die Farben kennt man ja. Es sind Gold, Braun und Rot. Aufblickend von meinem abstrakten Studium, schaue ich durch das Fenster im 3.Stock der Bibliothek und mein Blick treibt wie die von Rilke beschriebenen fallenden Blätter ziellos in der Dunkelheit umher, von jedem Willen verlassen. Und während die Blätter also fliegen, hin und her gerissen von den Launen der Natur, erhebe ich genau dieses Bild zu meiner Norm.

Seit dem 1. Oktober 2009 gibt es in England erstmals einen Supreme Court.  Die Briten scheinen es noch nicht zu kennen. Am Freitag mit Robin in London. Keiner kann uns  Auskunft geben über das neue Gebäude direkt gegenüber dem Westminster Parlament. Darunter Taxifahrer, Geschäftsleute und Polizeibeamte. Voher war das höchste Gericht Teil der englischen Oberhauses (House of the Lords), also im Parlamentsgebäude selber. Der ehemalige Lordkanzler (Lord Chancelor) hatte drei Ämter inne. Er hatte den Vorsitz im Gericht, er war Sprecher und Mitglied des Oberhauses und er war als Justizminister Teil der Regierung. Er war also Teil aller drei Gewalten. Dies wurde nun geändert; trotzdem ist für Engländer Gewaltenteilung eher ein Fremdwort. Selbst der neue Supreme Court hat nicht die Macht Gesetze für nichtig zu erklären. Er ist daher nicht zu verwechseln mit dem deutschen Bundesverfassungsgericht. Das oberste Prinzip der Verfassung ist im Grunde die Souveränität des Parlaments. Gleichzeitig kann aber die Regierung durch ein klares Majoriätswahlrecht relativ frei regieren und Gesetze machen. D.h. durch ein Common Law System wird vielfach unter bestehendem Recht gehandelt oder auch bei möglichen knappen Mehrheiten einfach auf das Parlament verzichtet. Es gibt wohl noch nicht einmal so etwas wie ein Wesentlichkeitsgebot, dass ein Gesetz fordert bei wesentlichen Gebieten, etwa dem der Grundrechte. Am Verrücktesten: Die Engländer haben keine geschriebene Verfassung(Constitution im engeren Sinne). Nicht in einem Text, sondern bestehend aus einer Vielzahl von Gesetzen, Konventionen und Rechtsprechungsakten(constitution im weiteren Sinne). Die Tiefen oder die Oberflächen des englischen Verfassungsrecht sind nicht leicht zu verstehen. Zumindest wird durch die Lupe des Fremden auch das eigene klarer. Es ist nicht die einzige Möglichkeit unser heißgeliebtes Grundgesetz.

Eine Human Rights Party findet statt. Neben an im Postgraduate Tower. Vornehmlich LLM Students. Sie kommen aus Aserbaidschan, Turkmenistan, Türkei, Belgien, Amerika usw. International. Betrunken verschwimmt der kulturelle Hintergrund zu einer Soße intellektueller, universeller Neugier. Human Rights! Man redet über die EU, die Kopenhagen Kriterien und über Lukaschenko. Dann die Finanzkrise. Ein Toast. Man feiert den Geburtstag eines Freundes im Gefängnis von Aserbaidschan. „I have to admit, I dont know anything about the political system in Aserbaidschan“ “Well they are very opressing.” Aus meiner deutschen proeuropäischen Sicht relativiert sich der Kampf um das Gute zu einer Konversation am Küchentisch mit Fosters Bier. Mein Kopf dröhnt. Aber das Mädel aus Turkmenistan ist süß und ganz schön TOUCHY und John Stuart Mill kann ich auch zitieren.

Essex ist nicht Cambridge.  Die Farben sind eher grau.  Die nasse Luft liegt schwer zwischen den grauen 70er Jahre Bauten und die Nacht sowieso. Das Audimax ein architektonisches Augenmerk” Prince William called it a Dustbin”, sagt man mir.  Steht auf dem Campus und man weiß nicht was man denken soll. Praktisch in jedem Fall. Aber was sag ich? Der Wind ist frisch und die Studenten sind wissbegierig.  War am Sonntag mit den Study Abroad Students in Cambridge. Wie eine verwelkende Blume wird die Tradition auf ein Podest gestellt,  man geilt sich  auf, dass man den Rasen der Colleges nicht betreten darf und: VERSCHIEDENFARBIGE Socken tragen sie auch noch. Gehört wohl eher in ein Harry Potter Film.  Also Essex ist nicht Cambridge.

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